In den Niederlanden haben laut einer studie antisemitische Vorfälle
stark zugenommen. Die grosse Mehrzahl der U^bergriffe geht jedoch nicht auf das Konto von muslimichen Immigranten, sondern
von gebürtigen Niederländern. Demgegenüber stellt die Studie eine Abnahme der Gewalt fest, die von den extrem Rechten
ausgeht.
Die Universität Leiden und die Anna-Frank-Stiftung in Amsterdam haben ihren jüngesten Bericht zum Rassismus
in den Niederlanden vorgelegt. Als erfreulich bezeichnen die Autoren die Tatsache, dass die Gewaltakte und Delikte gegen
muslimische Mitbürgen rückläufig sind. Vor allem nauch den Terroranschlägen vom 11 September 2001 und nach der Ermordung
des rechtspopulistische Politikers Pim Fortuyn im Mai 2002 hatten sich viele Muslime über eine zunehmende antimuslimische
Haltung beklagt. Neben Moscheen waren vor allem muslimische Schulen und Frauen mit kopftüchern das Ziel von übergriffen.
Von den 316 im Jahre 2001 festgestellten rassistischen Zwischenfällen waren nicht waniger als 60 prozent gegen Muslime gerichtet.
2002 betrug die entsprechende Quote nur noch 26 prozent.
Angst vor übergriffen
Laut dem Bericht ist die Gewalt, die von Rechtsradikalen ausgeht, zurückgegangen. In den Jahren 2000
und 2001 seien 406 beziehungsweise 316 Fälle festgestellt worden. 2002 waren es noch 264. Als beunruhigend wird
der zunehmende Anitisemitismus bezeichnet. Rund ein Viertel aller rassistischen Vorfälle ist gegen Juden gerichtet gewesen.
2002 wurden 46 Gewalttaten gegen jüdische Mitbürger oder Anschläge auf jüdische Einrichtungen registriert. 2001 waren
es lediglich 18 gewesen. Unter Berücksichtigung von Beschimpfungen und Schmierereien kletterte die Zahl antisemitischer
Zwischenfälle um rund 50 prozent auf 60 fälle. Rund die Hälfte der übergriffe ereignete sich während Fussballspielen.
Vor allem die Fans des Fussballklubs Ajax Amsterdam, die gerne mit der Fahne Israels auf die jüdischen wurzelm des Klubs aufmerksam
machen, werden regelmässig von den Anhängern anderer klubs als "judenläuse" beschimpft.
Rund die Hälfte der antisemitsichen Vorfälle wird in dem Bericht als "leicht" bezeichnet. Vor allem
die Entwicklungen im Nahen Osten haben in den Niederlanden zu einer neuen Form von Antisemitismus gefürhrt. So werden
Aufrufe zur Judenvernichtung primär bei Demostrationen gegen die Regierung Sharon baut. Viele Juden trauten sich deshalb
in Amsterdam aus Furcht vor Beschimpfungen nicht mehr mit der Kippa auf die Strasse, halten die Autoren fest? Auffallend
ist dabei, dass lediglich rund 5 % aller Fälle Immigranten zuzuschreiben sind. Bisher war man nämlich allgemein davon
ausgegangen, dass vor allem junge Nierderländer marokkanischer Herkunft für diese Aer Rassismus verantwortlich sind.
Doch gehen laut dem Bericht 95 % der Zwischenfälle auf das Konto von gebürtigen Niederländern.
Kritik an der Polizei
Laut den Autoren des Berichts ist der Gang zur Polizai, um dort Anzeige wegen Rassismus oder Diskliminierung
zu erstatten, ungeachtet der im Frühjahr 2003 eignefürten verschärften Anti-Diskriminierungs-Richtlinien nach wie vor sehr
mühsam. Selfst wenn die Anzeige zurstande komme, sie eher zu erwarten, dass das Verfahren früher oder später eingestellt
werde. Die Richtlinien würden von der Polizei kaum befolgt. Die Ordnungshüter würden meistens erst dann aktiv,
wenn es sie selber betreffe, wie zwei Beispiele aus dem Jahre 2002 aufzeigten. Ein weiteres Beispiel für die laxe Haltung
der Polizei ist der Fall des Centrum Informatie Documentatie Israel (Cidi) Die Organisation hatte Anzeige gegen die
Rapportgruppe NAG eingereicht. Fünf Monate später liess die Staatsanwaltschaft verkünden, die Ermittlungen würden eingestellt.
Die Verdächtigten hätten nicht aufgespürt werden können, lautete die Begründung. Laut Cidi stehen die Namen der Bandmitglieder
allerdings auf deren Website.
Gelesen im Neue Bürcher Beitung von 12 januar